KI-gestütztes Prototyping
Wie KI die chaotische Anfangsphase eines Projekts beschleunigt, damit mehr Zeit für das eigentliche Handwerk bleibt – das, was zählt.
Die ehrlichste Phase eines jeden Projekts ist die erste. Bevor irgendetwas schön ist, ist alles noch unscharf: zu viele Richtungen, zu wenig Gewissheit. Genau hier hat KI für mich am meisten verändert – nicht am Ende, wo der Feinschliff sitzt, sondern am Anfang, wo das Suchen passiert.
Schneller durch das Ungewisse
Früher habe ich Tage damit verbracht, drei oder vier Richtungen so weit auszuarbeiten, dass man sie überhaupt vergleichen konnte. Heute lasse ich mir Varianten skizzieren, Platzhaltertexte erzeugen, ein erstes Grundgerüst aufstellen – in Minuten statt in Stunden. Das ist kein Ersatz für Gestaltung. Es ist ein Beschleuniger für das Verwerfen.
Denn das ist der eigentliche Wert: Ich sehe schneller, was nicht funktioniert. Eine Idee, die auf dem Bildschirm steht, lässt sich beurteilen. Eine Idee im Kopf bleibt verführerisch lange gut.
KI macht mich nicht kreativer. Sie macht das Falsche schneller sichtbar – und gibt mir die Zeit zurück, das Richtige wirklich zu bauen.
Wo das Handwerk beginnt
Sobald die Richtung steht, lege ich die Werkzeuge zur Seite. Das Scaffold, das mir die KI gegeben hat, ist nie das Ergebnis – es ist die Leinwand. Die Übergänge, das Timing, die eine Hover-Geste, die sich richtig anfühlt: Das entsteht von Hand, und das soll es auch.
Mein Workflow sieht heute so aus:
- Erkunden – mehrere Richtungen grob anlegen, ohne mich zu verlieben.
- Aussortieren – das Schwache früh erkennen und gehen lassen.
- Vertiefen – die eine überlebende Idee mit voller Aufmerksamkeit bauen.
Die ersten beiden Schritte sind heute halb so lang. Der dritte ist länger geworden – und das ist genau der Punkt. Die gewonnene Zeit fließt nicht in mehr Projekte, sondern in mehr Tiefe pro Projekt.
KI ist für mich kein Designer und kein Entwickler. Sie ist ein ungeduldiger Skizzenblock, der nie müde wird. Was daraus etwas Eigenes macht, kommt immer noch von der Hand, die entscheidet, was bleibt.